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Die ganze Geschichte

Ein wild zusammengewürfelter Haufen war es schon, der am Sonntag, den 17. September 2000, morgens um 6.00 Uhr bei anständigem Regenwetter bei der Karlsruher Europahalle startete, um die 42,195 km des Baden-Marathon Märsche spielend unter die zu diesem Zeitpunkt noch relativ unbeschädigten Füße zu nehmen. Acht Stunden und siebenundfünzig Sekunden später kam der gleiche Haufen um einen Mitstreiter dezimiert bei gleichem Wetter mit malträtiertem Geläuf an der selben Stelle wieder an. Und dazwischen hat sich einiges abgespielt...


JürgenKurzer Rückblick: Jürgen Klotz (siehe Foto), Schlagzeuger des Musikvereins Bauschlott, hatte die grandiose Idee, einen Marathon in Marschformation Märsche blasend zu absolvieren und damit einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde zu erhalten. Nachdem sein großer logistischer und materieller Einsatz durch die Zusage von rund 65 Musikerinnen und Musikern aus 21 Vereinen belohnt wurde, trag man sich zu Proben, Probemärschen mit Musik über ca. 25 km, zum Trainieren der Verpflegungsaufnahme und zur Streckenbesichtigung ohne Musik. Voller Tatendrang und guten Mutes erwartete man dann den großen Tag. Durch Bekanntmachungen in Zeitungen, im Rundfunk und Fernsehen war einer großen Bevölkerungsschicht bekannt, was da ein paar Spinner vorhatten, und so waren manche herrlichen Kommentare im Vorfeld zu hören.


Am Samstag zuvor tragen sich dann am Mittag 9 weibliche und 58 männliche Mitstreiter/innen - davon 3 aus Bayern und 1 aus Göppingen - an der Karlsruher Europahalle, um den Einmarsch in die Halle zu trainieren, der dann bei der vorabendlichen Nudelparty, die vor jedem größeren Marathon zur Kohlehydratspeicherung des Körpers genutzt wird, auch hervorragend klappte. So lernten uns an diesem Abend auch schon die Läufer kennen, die uns am folgenden Tag überholen sollten.

Die Nacht zum Sonntag verbrachten wir in der Turnhalle der Heinrich-Hübsch-Schule auf Turnmatten, in Schlafsäcken oder auf Decken und immer dem Regen lauschend, der die ganze Nacht über auf die Straße prasselte. Und so war für einige der "Absacker" in nahegelegenen Kneipen schon wichtig, um etwas Ruhe zu bekommen vor dem strapaziösen Tag, der vor uns lag.

Nach dem Wecken um 4.00 Uhr!! Ging es über die Straße ins feudale Residence-Hotel, wo ein großes Frühstücksbuffet auf die Musikmarschierer wartete. Für die anschließende Fahrt vom Hotel zur Europahalle musste man den Scheibenwischer schon auf flott stellen, damit man die Straßen klar sehen konnte, und so sah man beim Treff an der Karlsruher Europahalle doch einige gerunzelte Stirnen und viele fragende Blicke zum Himmel. Trotzdem: Zwei Polizisten auf Motorrädern waren da, ein Feuerwehrauto mit großen aufmontierten Scheinwerfern zum Hinterherfahren war da, unser Versorgungstrupp mit vielen Kisten Apfelschorle, Wasser, Brezeln, Bananen und Hefezopf war da, MdL Veigel von der FDP als Starter und Halbmarathon-Mitmarschierer (in Salonschleichern und Schirm) war da und unser eiserner Wille, die Strecke trotz Länge und Wetter unter die Füße zu nehmen war auch da. Punkt 6.00 Uhr ging es los, und trotz Regen erfasste uns alle eine sagenhafte "Wettkampfstimmung", die sich noch steigerte, als wir an vielen Fenstern in der Karlsruher Innenstadt die Lichter angehen und die Fenster aufgehen sahen und wussten, dass wir viele Karlsruher aus dem "Sumpf" geholt hatten.

Kilometer um Kilometer marschierten wir in den vom Sporthaus Elsässer in Pforzheim und von Reebok gesponserten Schuhen mit einem sehr guten Wanderschritt von fast 6 km/Stunde dem Tagesanfang entgegen, und auch das Wetter wurde durch unsere Musik gnädig gestimmt, denn der Regen hörte allmählich auf. In diesen frühen Morgenstunden waren wir bis auf die aufgeweckten Leute an der Strecke, die uns aber trotzdem im Schlafanzug oder Nachthemd Beifall spendeten, so ziemlich allein, bis wir dann in den Karlsruher Außenbezirken so ab Kilometer 15 auf die ersten Spätheimkehrer, Kirchgänger oder Frühaufsteher trafen. Bis zu unserer ersten "größeren" Pinkelpause (ca. 3 Minuten) bei Kilometer 11,5 wurden wir von unserem Versorgungstrupp während des Marschierens verpflegt, waren alle allerbester Laune und noch voller Tatendrang, unsere Märsche wurden mit vollem Elan geblasen und jeder war vom Gelingen unserer Aktion felsenfest überzeugt.

Auf der Straße

Lange marschierte unser FDP-Landtagsabgeordneter Veigel neben dem Dirigenten Oliver Bickel voraus, ehe er bei Kilometer 21 die Segel strich und wir forthin auf politischen Beistand verzichten mussten. Bei der nächsten Pinkelpause (ca. bei Km 22) häuften sich dann schon die Gespräche untereinander, die das Thema Füße zum Inhalt hatten. Langsam aber sicher tauchten die ersten Blasen auf, die Beine wurden schwerer, der Ansatz war nicht mehr der beste und auch die Instrumente wurden immer schwerer. Und zu dem allem kam es jetzt zur Begegnung mit den ersten Läufern, die uns nach und nach überholten, so dass sehr aufmerksam marschiert werden musste, um diese nicht zu behindern. Die Strecke wurde jetzt auch zunehmend enger, so dass unsere Gruppe sich in Zweierreihen formieren musste, wobei immer die erste Hälfte einen Marsch intonierte, während die zweite Pause hatte und umgekehrt, da man zusammen durch die Länge der Gruppe (34 Reihen á 2 Personen) nicht mehr in der Lage war, zusammen zu musizieren.

Mitte des zweiten Abschnittes kam dann auch die Zeit, wo manch einer mit sich zu Gericht ging, warum er sich diese Tortour eigentlich auferlegt hatte. Und doch: die Begeisterung der trotz des Wetters an der Straße stehenden Menschen und der uns überholenden Läufer über unseren Gig trieb uns vorwärts, und auch unser Versorgungsteam sowie die einen oder anderen Bekannten oder Verwandten, die an der Strecke standen, machten uns immer wieder Mut. Manch einer der Mitmarschierer hatte sich im Laufe der Zeit schon einen seltsam anzuschauenden Gang zugelegt, doch je näher wir dem Ziel kamen, desto mehr Zuschauer standen an der Strecke und peitschten uns nach vorne. Bei Kilometer 40 am Eingang von Bulach erwarteten uns unsere Cheerleaders aus Kieselbronn, und von da an wurde die ganze Veranstaltung zur Kür. Beflügelt von den zahlreichen Zuschauern und der Gewissheit, dass jetzt nichts mehr schief gehen kann, marschierten wir nach 8 Stunden und 57 Sekunden unter dem Jubel der Zuschauer im Ziel ein.

Das Ziel

Dieses Gefühl in diesem Moment wird wohl keiner, der dabei gewesen ist, je wieder vergessen. Manche Träne wurde verdrückt oder auch geweint, stürmischer Jubel und herzliche Umarmungen, gegenseitige Glückwünsche und freudestrahlendes Abklatschen waren jetzt an der Reihe. Und dann ging es unter Standing Ovations der Läufer und Besucher mit dem Badner Lied rein in die Halle, wo Initiator Jürgen Klotz dem Moderator auf der Bühne ein Interview gab und anschließend zusammen mit Oliver Bickel die gesponserten Magnum-Flaschen Sekt in Formel 1 Manier über die Musiker spritzte. Nach dem anschließenden Essen in der halle wollte kaum einer der Mitstreiter sich wieder von den Bänken erheben, und viele hatten auch noch nicht den Mut, die Schuhe auszuziehen aus Angst vor dem, was sie erwartete. Und trotzdem: Es war ein grandioses Erlebnis für uns alle, und wer den Organisator Jürgen Klotz kennt der weiß, dass er mit diesem "Haufen" bestimmt noch irgendetwas vor hat. Lassen wir uns überraschen.

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